Leider ist ein Großteil der Nisthilfen, die im Handel gerne als "Insektenhotel" angepriesen werden, für Wildbienen nicht geeignet. In manche werden keine Bienen einziehen, in anderen einige wenige, wobei sich dann aber keine dauerhaften Populationen ansiedeln werden, da die Sterblichkeit in diesen Baracken sehr hoch sein dürfte.
Man sollte auch nicht von "Hotel" sprechen, schließlich übernachten die Wildbienen dort nicht, sondern bauen darin ihre Nester.
Hier eine Auswahl an Fehlern, die wir immer wieder sehen, und die sich leider etabliert haben:
Einsatz von Holzspänen oder Kienäpfeln: Diese sind gedacht für Käfer. Leider essen Käfer, z.B. Ohrenkneifer oder Marienkäfer und deren Larven aber auch Wildbienenlarven. Hier kann man also durchaus von einem "Hotel" sprechen, mit reich gedeckten Büffet - für die Käfer...
Kästen mit Schlitzen für Schmetterlinge: nur unnütz und nicht schädlich - die wenigen Schmetterlingsarten, die bei uns als Imago (also als Schmetterling und nicht als Larve oder Raupe) überwintern, suchen sich im Normalfall wärmere, geschütztere Orte, wie Garagen, Dachböden oder Schuppen
Nistgänge zu kurz: Nistgänge sollten mindestens 10x so lang wie breit sein, idealerweise nicht kürzer als 10 cm. Dies hat mehrere Gründe: zum einen legen einige Arten zuerst weibliche/berfruchtete Eier ab, so dass es bei zu kurzen Röhren zu einem Ungleichgewicht kommen kann, zu anderen sehen die meisten Nester einen gewissen Leerraum bis zur ersten Brutzelle vor, um es anderen Insekten (z.B. Schlupfwespen) oder Vögeln zu erschweren, an die Eier, bzw. Larven zu gelangen, da fehlen dann schon gleich die ersten 2 cm...
Nistgänge zu klein oder zu groß: Niströhrchen oder Bohrungen sollten 3 - 10 mm Durchmesser haben, man sieht immer wieder Bambusröhrchen, die deutlich größer sind - da geht keine Biene rein.
kein Hartholz: Nisthölzer aus Nadelholz sind ungeeignet, da dort bei Wärme Harz in die Gänge gelangen kann, welches dann Bienen oder Flügel verklebt
ins Stirnholz gebohrt: Das neigt dann zu Längsrissen, wodurch Feuchtigkeit, Pilze oder Parasiten ins Nest kommen, oder die Kanten die Flügel verletzen
Bambusröhrchen mit verschlossenen Augen: Die Bambusröhrchen sollten erst am hinteren Ende verschlossen sein. Bienen können sich nicht durchs Holz nagen - das ist dann das Gleiche, wie ein zu kurzer oder verschlossener Gang.
Gänge hinten offen: alle Gänge müssen hinten verschlossen sein, um das Eindringen von Feuchtigkeit, Pilzen oder Parasiten zu verhindern. Oft werden solche Gänge aber auch gar nicht erst benutzt.
Ausgefranste Löcher: Die Flügel der Bienen sind sehr empfindlich. Ausgefranste Löcher werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bienen verletzen. Alle Gänge sollten ausgeschliffen sein und der Eingang sollte frei von Splittern sein.
Gute gemeint ist leider nicht immer auch gut gemacht - an einem schlechten "Insektenhotel" werden weder die Bienen noch ihr Freude haben.